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Niko goes Southafrica!

Ein Jahr in Jeffreys Bay

Sommerferien in Südafrika – von den Drakensbergen bis nach Kapstadt – Wild-Coast, Drakensberge, Durban, Transkai, Capetown

 

 

Vom 8. bis zum 11. Dezember fand das zweite Seminar für die Freiwilligen im Eastern Cape statt. Direkt im Anschluss an das Seminar hieß es dann: Sommerferien! Fünf aufregende Wochen lagen vor mir, und jede Menge Zeit, besondere Orte Südafrikas zu besuchen und das Land zu erkunden. Aber immer der Reihe nach…

 

Schon im November hatten wir angefangen, uns eine Reiseroute zu überlegen. Wir, das waren: Drei East London Freiwillige, die beiden Freiwilligen aus Bulungula, sowie Solveig, Nils und ich. Nachdem die Route ausgetüftelt, die Backpacker-Unterkünfte gebucht und zwei Kleinwagen gemietet worden waren, ging es dann am 11. Dezember endlich los und unsere achtköpfige Reisegruppe machte sich von East London aus (wo das zweite Seminar genau wie das erste stattgefunden hatte) auf den Weg in Richtung Wild-Coast. Ziel: Port St. Johns. Die Fahrt dorthin war ziemlich abenteuerlich. Einerseits war es ein kleines Wunder, wie wir es geschafft hatten, das Reisegepäck von acht Leuten für fünf Wochen in den Chevrolet Spark und den Opel Adam zu bekommen (alle Personen außer die beiden Fahrer waren vollbepackt mit Rucksäcken, Taschen und Proviant). Andererseits kamen wir nur schleppend auf der N2 voran und mussten deshalb knapp drei Stunden im Dunkeln und teilweise auf nebelverhangenen Straßen durch die Transkaei fahren. Immer wieder damit rechnend, dass eine Kuh oder ein Esel auf der Straße steht. Da waren wir und besonders die Fahrer ganz froh, als wir gegen elf Uhr abends dann endlich im „Amapondo“ Backpacker eintrafen und sogar noch ein reichhaltiges Abendessen zu uns nehmen konnten.

Am nächsten Morgen ging es nach einem kurzen Abstecher zum Strand von Port St. Johns weiter auf der N2, an Durban vorbei Richtung Warner Beach, wo wir nach etwa fünf-stündiger Fahrt auch gegen Abend im „Blue Sky Mining“ Backpacker eintrafen, der unsere nächste Zwischenetappe auf dem Weg in die Drakensberge bedeutete. Am nächsten Mittag war es dann soweit: Nachdem wir etwa drei Stunden weg von der Küste ins Landesinnere gefahren waren, erreichten wir die Ausläufer der Drakensberge. Eine ziemlich schöne Landschaft bot sich uns, aber vor allem links und rechts kilometerlange trockene südafrikanische Steppe, ab und zu unterbrochen von einer kleinen Ortschaft. Nur eine Stunde später erreichten wir dann unsere Unterkunft, das „Amphitheatre“, ein ziemlich großer und vor allem ziemlich cooler Backpacker mitten in den Drakensbergen und auch mitten im Nirgendwo. Hier quartierten wir uns für fünf Tage in einem „Dorm“ nur für uns acht ein. Das war ziemlich entspannt, mal für längere Zeit an einem Ort zu bleiben und nicht gleich am nächstem Morgen wieder los zu müssen, wobei auch die Autofahrten mit den unfassbar schönen und sich abwechselnden Landschaften ein Highlight des Roadtrips waren. Aber natürlich stand in Drakensbergen nicht nur chillen auf dem Programm. Am ersten Tag fuhren wir auf eigene Faust los und machten eine dreistündige Wanderung, allerdings bei Regen. Doch die Belohnung für die unzumutbaren Strapazen (:D) durch den Matsch und rutschige Hänge war umso größer, als wir nach eineinhalb Stunden einen versteckten Wasserfall vorfanden, an dem wir uns niederließen. Einer der Bulungula-Freiwilligen ließ sich die Chance nicht entgehen, sich unter die eiskalte Dusche aus 15 Metern Höhe zu stellen.

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Für den zweiten Tag hatten wir eine geführte siebenstündige Wanderung gebucht, die uns bis auf über 3000 Meter Höhe bringen sollte. Für diese Wanderung, einer der Top-Ten Tages-Hikes der Welt, mussten wir ziemich früh aus den Federn, denn schon um 7.30 ging es mit zwei Kleinbussen vom Backpacker aus los. Während der zweistündigen Fahrt ging es langsam aber sicher in höhere Gefilde der Drakensberge. Immer wieder durchfuhren wir kleine Dörfer, die genauso abrupt aufhörten wie sie anfingen und uns dann wieder mit der unendlich weiten Berglandschaft alleine ließen. Wir machten immer mehr Höhenmeter, sahen zahlreiche Paviane auf und neben der Straße, die sich immer mehr zu einer Schotterpiste direkt am steilen Berghang entwickelte, bis wir auf 2100 Metern Höhe endlich den Startpunkt der Wanderung erreicht hatten. Die ersten Stunden der Wanderung waren ein kontinuierlicher Anstieg an einem Bergmassiv entlang, bis wir nach einem noch steileren Abschnitt ein Plateau in 3100 Metern erreichten, den höchsten Punkt der Wanderung. Dort bot sich uns ein atemberaubender Ausblick, und der Nebel der unter uns vorbeizog verstärkte die Wirkung der schwindelerregenden Höhe nochmals.

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Ein weiteres Highlight der Wanderung: Kurz vor dem letzten Abstieg mussten wir zwei Felswände überwinden, indem wir am Fels befestigte Metallleitern hinunterstiegen. Dort war Vorsicht geboten, denn der erste Abstieg war 15 Meter tief, beim zweiten ging es sogar 25 Meter in die Tiefe. Es war also gut nicht allzu oft runter zu schauen, sondern sich langsam Schritt um Schritt runter zu tasten. Eine Sicherung gab es nicht, und richtig befestigt waren die Leitern auch nur am oberen und unteren Ende, sodass man teilweise etwas ins Schwanken geriet. Da war man erleichtert, als man wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Trotzdem eine coole und abenteuerliche Erfahrung.

Die restlichen Tage in den Drakensbergen verbrachten wir mit Paintball-Spielen und einem Ausflug zu den Cascaden (natürliche Poolbecken in den Drakensbergen, sehr entspannt).

Abends kochten wir gemeinsam, zwei Mal nutzten wir auch die Grillstelle des Backpackers für einen Braai (immer sehr lecker :D) und ließen anschließend die Tage bei dem ein oder anderen Bier oder auch einem Glas Rotwein ausklingen.

Nach fünf Tagen Drakensbergen hieß es dann: Auf nach Durban, die nächste Station unseres Roadtrips. Nach der atemberaubenden Natur die Tage zuvor ging es nun also in eine Großstadt. Unser Quartier in der Metropole: der „Hippo Hide“ Backpacker. In Durban verbrachten wir zwei Tage, wir waren am Strand, schlenderten durch die Stadt,  besuchten die größte Shopping-Mall der südlichen Hemisphäre, gingen abends essen und einmal ins Kino. Es war aufregend, diese Großstadt zu erleben, aber Durban war vor allem auch hektisch und voll.

Nach zwei Nächten in Durban ging es auf der N2 fünf Stunden zurück Richtung Port St. Johns, wo wir unseren Roadtrip begonnen hatten, in den „Jungle Monkeys“ Backpacker. Gleich am nächsten Morgen, den 22. Dezember, brachen wir Richtung Bulungula auf, der nächsten größeren Etappe des Urlaubs. In Bulungula waren wir ja schon im November gewesen, doch auch dieses Mal war der Anblick des direkt an der Wild Coast angesiedelten Dorfes beeindruckend. Hier haben wir Heiligabend und die Weihnachtstage verbracht, noch zusammen mit den Freiwilligen aus Berlin und Coffee Bay. Das war selbstverständlicher Weise ein ganz anderes Weihnachten als man es kannte (bei 25 Grad in Badehose am Strand Fußball spielen, also eher heiße als weiße Weihnachten), und als wir alle am 24. Dezember abends zusammen saßen, war die Stimmung trotz Lagerfeuer am Strand etwas gedrückt, weil wohl jeder so ein bisschen Heimweh verspürte.

An den beiden Weihnachstagen haben wir eine Wanderung von Bulungula nach Lubanzi (ca. 10 km Entfernung) und zurück gemacht, Lubanzi ist ein Backpacker mitten im Nirgendwo direkt an der Wild Coast – mit einer beeindruckenden Aussicht. Die Wanderung führt die ganze Zeit an der Steilküste entlang, und besteht zu einem großen Teil aus steilen Auf- und Abstiegen. Auf dem Weg sind wir immer wieder an kleineren Dörfern vorbeigekommen, und auf dem Hinweg haben wir Delfine gesehen. Nach fünf anstrengenden Stunden wurden wir abends im Backpacker mit einem leckeren Braai belohnt, bei dem sich unsere müden Beine ein wenig erholen konnten, bevor es gleich am nächsten Morgen nach einem reichhaltigen Frühstück zurück nach Bulungula ging.

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Am 27. Dezember verließen wir Bulungula gegen Mittag Richtung East London, das wir gegen Abend erreichten. Eine Übernachtung und vier Stunden Fahrt später waren wir in Jeffreys Bay, unserer letzten Zwischenetappe auf dem Weg nach Kapstadt!

Am 29.12 früh morgens machten wir uns auf den Weg, das hieß: einmal die komplette Garden Route entlang auf der N2 runter nach Kapstadt, also rund neun Stunden Fahrt. Am späten Nachmittag erreichten wir die Stadt, die so malerisch am Fuße des Tafelbergs liegt, und den „Afrique du Sud“ Backpacker.

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In Kapstadt stand so einiges auf dem Programm: Stadtrundfahrt, Besuch eines afrikanische Marktes, WM-Stadiontour, lecker essen, und auch das Nightlife auf der Long Street kam nicht zu kurz. Am 31.12 sind wir den Tafelberg in der Mittagshitze hochgewandert – in dreieinhalb Stunden. Zu der Aussicht, die sich uns bot als wir das           Plateau erklommen hatten, muss ich nicht viel sagen, da lasse ich die Bilder für sich sprechen.

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Am selben Abend haben wir mit fast allen der 34 ASC-Freiwilligen Silvester gefeiert. Der erste Tag des neuen Jahres war dann ein bisschen relaxter, am 2. Januar sind wir zum Kap der guten Hoffnung gefahren und waren in Simonstown, das für eine hohe Brillenpinguinpopulation bekannt ist. Bereits am 03.01 ging es dann nach einem ausgiebigen Brunch beim „Extrablatt“ schon wieder zurück nach Jeffreys Bay.

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Die  fünf Tage in Kapstadt waren eines der Highights meines Südafrikaaufenthalts bisher und Kapstadt ist einfach eine, wenn nicht die schönste Stadt der Welt.

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In Jeffreys Bay ließen wir dann die Ferien mit unserer Reisetruppe ausklingen, waren shoppen und surfen und haben uns so langsam wieder auf den Schulbeginn vorbereitet. Insgesamt war der vierwöchige Roadtrip durch Südafrika ein echtes Abenteuer und hat  sehr viel Spaß gemacht. Es war toll, das Land zu erkunden und so viele schöne wie außergewöhnliche Orte zu besichtigen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Rugby-WM und Bulungula-Trip

 

Hier noch zwei kleine Nachträge, was die Freizeitgestaltung in Jeffreys Bay angeht…

 

Mitte September bis Anfang November war Südafrika im Rugby-Fieber, von dem auch wir angesteckt wurden: Die WM in England stand an, natürlich ein großes Ereignis für die Regenbogennation, ist Rugby hier doch Nationalsport (Auch im Sportunterricht spielen wir ab und zu mit den Kindern Rugby). Die „Springboks“ (so wird die südafrikanische Nationalmannschaft genannt) gehören mit Australien und Neuseeland zu den stärksten Rugbynationen, und das untermauerten die „Boks“ beim Rugby World Cup 2015. Nach etwas holpriger Gruppenphase kämpfte sich Südafrika im Viertelfinalspiel gegen Wales in letzter Minute durch den entscheidenden „Try“ (so heißt es, wenn ein Spieler es schafft, mit dem Rugby in die Endzone einzudringen) ins Halbfinale. Das Spiel haben wir selbstverständlich verfolgt – in einer Strandkneipe im Ort – ich sogar im südafrikanischen WM-Trikot (das hatte ich zum Geburtstag geschenkt bekommen). Das war Spannung pur und ein echter Gänsehaut-Moment, als immer weniger Zeit auf der Uhr war, eigentlich niemand mehr mit dem Sieg Südafrikas rechnete und die Springboks dann doch noch in einem der letzten Angriffe des Spiels den Try schafften, woraufhin die komplette Kneipe ausrastete und sich riesig über den Sieg freute. Im Halbfinale wartete dann Neuseeland, die im Viertelfinale haushoch Frankreich düpiert hatten: Es hieß also Springboks vs. All Blacks, einer der Rugby-Klassiker. Dieses Spiel haben wir bei Drazene und Deon (unseren Kontaktpersonen hier in J-Bay), die beide die All-Blacks unterstützen,  geguckt und anschließend mit ihnen gegrillt. Auf jeden Fall ein guter Trost für die Niederlage Südafrikas – die All-Blacks, die als eine der besten Sportmannschaften (!) der Welt gehandelt werden, waren einfach zu stark. Denn auch im Finale schlugen sie Australien auf beeindruckende Weise und schafften es so als erste Nation, drei Mal den WM-Titel zu holen.

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Ich muss zugeben, dass ich vorher noch nie ein Rugbyspiel gesehen habe, doch diese Sportart ist unheimlich spannend anzusehen und hat mich auf jeden Fall gepackt. Nicht zuletzt weil es zum Beispiel für einen Try fünf Punkte, für einen verwandelten Penalty aber nur drei Punkte gibt, und es so bis kurz vor Schluss noch dramatische Wendungen geben kann.

 

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Unser Mietwagen

Anfang November sind Alena, Solveig und ich für fünf Tage nach Bulungula gefahren, um die beiden Freiwilligen die dort arbeiten, Moritz und Paul, zu besuchen. Am 03.11 direkt nach der Schule fuhren wir mit unserem Mietauto (ein echtes Schlachtschiff) die N2 hoch Richtung East London. Dort übernachteten wir  bei den dortigen Freiwilligen und machten uns gleich am nächsten Morgen in aller Früh auf den Weg nach Bulungula, auf den Weg in die Transkai. Schon kurz nach East London merkte man, wie sich die Landschaft veränderte: die N2 schlängelte sich durch immer hügeliger werdendes Gebiet, wir fuhren an immer kleiner werdenden Dörfern vorbei (irgendwann nur noch weit zerstreute Rundhütten aus Lehm), und die Straße kreuzten zunehmend mehr Kühe und Ziegen. Die Transkai, das muss man sagen, ist eine atemberaubend schöne Landschaft, obwohl auch hier weit und breit große Armut herrscht.

Die letzten eineinhalb Stunden der Fahrt bestanden aus einer Schotterpiste, die bis nach Bulungula zur Wild Coast führt (auf Grund von Schlaglöchern etc. braucht man bis zu eineinhalb Stunden für die 40 km lange Strecke der „Dirtroad“). Doch am späten Nachmittag war es dann soweit: wir hatten den letzten Hügel vor Bulungula erreicht, und dahinter bot sich uns ein unglaublich schöner Anblick…

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Bulungula bzw. die Transkai, das ist Afrika pur, und die beiden Freiwilligen die dort arbeiten, erleben noch einmal ein ganz anderes Jahr als wir anderen es tun, mit ganz anderen Herausforderungen. Sie leben in einer kleinen Hütte auf einem Hügel, 300 Meter vom Meer entfernt. Der Fußboden ist festgestampfter Kuhdung. Die beiden haben kein fließendes Wasser, sondern eine Wassertonne vor dem Haus. Wenn es lange Zeit nicht regnet, müssen sie sich Wasser von der Bulungula Lodge, einem Backpacker am Fuße des Hügels auf dem sie wohnen, beschaffen. Es gibt keine Steckdosen. Sie haben keine eigene Toilette, sie müssen jedes mal die 300 Meter runter in die Lodge laufen und wieder den Berg hoch. Gleiches gilt fürs Duschen. Wenn sie in der Lodge warm Duschen wollen, müssen sie in Paraphin getränktes Klopapier anzünden, dann hat man für etwa 6 Minuten warmes/heißes Wasser. Doch das ist nicht alles an den tagtäglichen Herausforderungen in Bulungula. Jeden Tag müssen die beiden eine Stunde zu ihrer Schule laufen, an der sie Sportunterricht geben, am Nachmittag eine Stunde zurück.

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Die Hütte der beiden Freiwilligen – mit Kuhdung als Boden

Das alles konnten wir nun hautnah miterleben und die Tage mit den beiden Jungs haben riesigen Spaß gemacht. Wir waren mit in ihren Projekten: am Donnerstag in der Schule (mit einem ziemlich abschüssigen und schrägen Fußballfeld :D),  am Freitag dann lernten wir ein anderes Projekt der Bulungula-Jungs kennen: den Bulungula Incubator, eine NGO die gesundheitliche, landwirtschaftliche und andere Projekte in der Region fördert. Dort sind die beiden hauptsächlich für administrative Aufgaben zuständig. Der „BI“ beinhaltet auch eine kleine Preschool, in den Pausen spielen die beiden häufig mit den Kindern. Am Freitag Nachmittag durften wir noch Teil eines weiteren Projekts sein: ein bis zwei Mal in der Woche treffen sich die beiden Jungs mit ein paar Jugendlichen „Profi-Rappern“ und nehmen mit ihnen richtige Songs auf. Das hat sich wohl am Anfang noch so semi-schön angehört, aber der Song den wir miterleben durften hörte sich gar nicht mal schlecht an!

 

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Die Paraphin-Dusche

Ansonsten haben wir die Nachmittage mit im Meer baden gehen und surfen verbracht, haben mit den Kids aus dem Dorf legendäre Fußballspiele bestritten, abends gemütlich in der Bude der Jungs gekocht (Gasherd) oder in der Lodge gegessen, und dann die Tage auf der von den Vor-Freiwilligen selbst gezimmerten Holzbank vor dem Haus unter einem beeindruckenden Sternenhimmel ausklingen lassen.

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Surfen an der Wild Coast

Die Tage in Bulungula waren ziemlich cool, wir konnten ein anderes ASC-Projekt hautnah miterleben und hatten eine entspannte Zeit. Besonders die Paraphin-Dusche ist einfach ein cooles Erlebnis! Am Sonntag ganz früh morgens ließen wir dann das Flair der Wild Coast und der Transkai hinter uns und machten uns auf den 10-stündigen Rückweg nach Jeffreys Bay.

Das Ende des Schuljahres – Sportsday, Pricegiving, Mondplaas und Ferienprogramm

 

Mein letzter Blogeintrag ist nun schon wieder einige Zeit her. Hier nun ein Überblick, was nach den Frühlingsferien alles so passiert ist…

Der erste Schultag nach den Ferien begann mit einer „Morning Assembly“, zu der sich alle Schüler und Lehrer auf einem der Pausenhöfe versammelten. Diese „Morning Assemblies“ finden eher selten statt, wie zum Beispiel beim Anfang des nächsten Quartals. Dort werden generelle Ankündigungen gemacht, es wird gebetet, ein Lehrer liest etwas aus der Bibel vor und zum Abschluss singt dann die ganze Schule die südafrikanische Nationalhymne. Mittlerweile kann ich die auch zumindest komplett mitsummen, mit dem Text (der aus vier Sprachen besteht, nämlich Xhosa, Zulu, Afrikaans und Englisch!) klappt es eher noch nicht so richtig. 😀

Des Öfteren waren Alena und ich jetzt auch bei der „Teachers Assembly“, die jeden Morgen vor Unterrichtsbeginn im Lehrerzimmer stattfindet.

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Die Montagmorgen-Assembly

Im Sportunterricht hatte ich die ersten Wochen nach den Ferien vor allem eine Aufgabe, und zwar Athletik-Training mit Grade 4 bis Grade 7, denn die innerschulische Athletic-Competition stand vor der Tür. Für diesen Athletikwettbewerb mussten natürlich die gegeneinander antretenden Schüler ausgewählt werden, und zwar in den Disziplinen Kugelstoßen, Weitsprung und Hochsprung, sowie den verschiedenen Lauf- und Sprintdistanzen. Das passierte in den ersten beiden Wochen nach den Ferien, immer statt der ersten Unterrichtsstunde auf dem Sportplatz gegenüber der Schule. Die Schüler wurden auf vier Häuser aufgeteilt, – blau, rot, grün und gelb – aus denen dann jeweils eine Hand voll der Besten für den Athletic-Sportsday ausgewählt wurden. Der Sportsday selbst wurde auf zwei Tage aufgeteilt: am 29.10 waren die Disziplinen Kugelstoßen, Weit- und Hochsprung an der Reihe, einen Tag später fanden die verschiedenen Lang- und Kurzstreckenläufe statt. Für den zweiten Wettbewerbstag kamen auch die nichtteilnehmenden Schüler aus den vier Häusern, um die Athleten ihres Hauses anzufeuern. Und das im strömenden Regen. Alena und ich mussten uns währenddessen an der Ziellinie der extra für die Sportsdays aufgemalten Laufbahn postieren, um genau sehen und Bescheid geben zu können, welcher der Schüler (z.B .beim 100 Meter Sprint) als Erster die Ziellinie überquerte. Besonders lustig und afrikanisch wurde es dann bei einem der letzten Langstreckenläufe, denn aus dem Anfeuern von den nichtteilnehmenden Schülern und anderen Zuschauern wurde eine Verfolgungsjagd der gerade sprintenden Läufer, sodass eine riesige Horde von Zuschauern in den entscheidenden Runden des Laufs neben der Laufbahn schreiend und völlig ausrastend mitlief, um den Endspurt hautnah miterleben zu können. Nachdem alle Durchläufe vorbei waren, alles wieder abgebaut war und jeder Anwesende klitschnass war, wurden alle Helfer des Sportsdays – also auch Alena und ich – noch mit einem warmen Mittagessen im Lehrerzimmer belohnt, bevor der Athletic-Sportsday sein Ende fand.

Außerhalb des Athletik-Trainings habe ich in den letzten Wochen vor allem das Spiel „Fireball“, also Brennball, in den Sportstunden eingeführt. Ganz gefruchtet hat da am Anfang nicht bei jeder Klasse die Idee, dass die ballholende Mannschaft den Ball möglichst schnell „verbrennen“ muss. Da wollte dann lieber jeder noch einmal den Ball abfangen, sodass die andere Mannschaft in Seelenruhe ihre Runden laufen und Punkte einfahren konnte. Immerhin hat es dann aber nach mehrmaligem Erklären erst besser, und schließlich sogar ziemlich gut funktioniert.

 

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Alena und ich werden für unsere Dienste im Sportunterricht geehrt

Eineinhalb Wochen nach Schulbeginn, am 21.10, war „Prizegiving“ an der Pellsrus Primary School: Die Schüler, die die Examen vor den Ferien bestanden hatten, bekamen eine Art Zeugnis ausgestellt. Auch besondere Leistungen in anderen Bereichen wie zum Beispiel die Teilnahme an einer AG wurden gewürdigt. Dieser Prizegiving-Abend fand in einer Veranstaltungshalle statt, die Alena und ich zusammen mit zwei Lehrern vorher dekoriert hatten: Da wir hierfür keine Leiter hatten, mussten wir mitunter über 10 Stühle aufeinanderstapeln, um die Vorhänge, Tücher etc. anbringen zu können. Das sah dann immer ziemlich gewagt und wackelig aus, wenn einer von uns beiden den schiefen Turm von Jeffreys Bay erklomm, aber am Ende war die Halle dekoriert – ohne Verletzte.

 

 

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Eine Woche später war dann Prizegiving an der St. Patricks Primary School in Humansdorp: Foto mit Deon

Wenige Wochen später neigte sich das Schuljahr dann schon dem Ende entgegen: die letzten Exams für Grade 4 bis 7 standen an. Da sich nun alles auf die Prüfungen konzentrierte, fiel der normale Unterricht meiner Klassen komplett weg und die Kinder blieben in ihren Klassen, um zu lernen. Ich ging dann meistens mit zum Unterricht von Alena, aber auch so hatte ich einiges zu tun, da Alena und ich bei der Vorbereitung der Prüfungsbögen mitgeholfen haben, was ziemlich viel Tacker-Arbeit hieß aber trotzdem Spaß gemacht hat. Da wir also etwas weniger zu tun hatten, traf es sich ganz gut, dass wir vier in Jeffreys Bay ein zusätzliches neues Projekt bekommen haben: Seit Mitte November sind wir jetzt jeden Donnerstag nach der Schule für ein bis zwei Stunden in Mondplaas (ein kleiner Ort auf dem Lande bzw. jede Menge Farmen, 15 Minuten von Jeffreys Bay entfernt), um dort mit den Kindern der überschaubaren bäuerlichen Community Fußball zu spielen. Auf einem richtig schön traditionellen Acker mit Toren aus Holzpfählen.

Das macht auf jeden Fall immer richtig Spaß, denn dadurch lernen wir neue Kinder und Jugendliche kennen. Außerdem bringt dieses Projekt noch etwas mehr Abwechslung, da unsere sonstigen Nachmittagsprojekte ja in der Schule stattfinden (für das Tischtennis-Projekt habe ich mittlerweile übrigens ein Netz gekauft).

Nach zwei Wochen durchgängigem Examen-Schreiben waren dann auch diese vorbei und obwohl eigentlich noch zwei Wochen Schule waren, sind fast alle Schüler nach den Examen zu Hause geblieben, was hier aber angeblich völlig normal ist. Deswegen dachten wir uns, dass man den Schülern doch einen Anreiz geben könnte, wieder in die Schule zu kommen.

Deshalb habe ich zum einen ein Fußballspiel für mein Soccerteam gegen eine benachbarte Schulmannschaft organisiert, das meine Mannschaft auf Grund des 1:1 Unentschiedens in der regulären Spielzeit grandios im Elfmeterschießen verlor: wirklich jeder meiner auserwählten Schützen brachte es trotz Windstille fertig, mindestens einen halben Meter am linken Pfosten vorbeizuschießen! Meine Spieler waren natürlich etwas enttäuscht über die Niederlage, aber über die Art und Weise musste ich dann innerlich doch ein bisschen schmunzeln, zumal nach Ende des Elfmeterschießens die Spieler die nicht schießen durften vehement bekräftigten, dass die Niederlage ja alleine meine Schuld sei :D.

Zum anderen haben Alena, Solveig, Nils und ich in der letzten Schulwoche vor den Ferien ein „Ferienprogramm“ (es waren ja praktisch schon Ferien für die Schüler, da sie nach den Examen eh nicht mehr zur Schule kamen) für die beiden Schulen aus Jeffreys Bay und Humansdorp organisiert, das auf drei Tage verteilt war. Einen Sportsclinic-Day mit insgesamt 16 verschiedenen Stationen und Aktivitäten für Grade 1 – 3 beider Schulen, einen Beachday für Grade 4 – 7 von Alenas und meiner Schule und dann einen Tag später noch einmal einen Beachday für Grade 4 – 7 von Solveigs und Nils Schule in Humansdorp. Das war vor allem für die Schüler aus Humansdorp ein besonderes Erlebnis, da die Kinder dort eigentlich nie die Möglichkeit haben, an den Strand zu gehen, da Humansdorp weiter im Landesinneren liegt.

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Die 16 Stationen des Sportsclinic-Days: Für eine geschaffte Station gab es Sticker und Sterne zum Aufkleben auf den „Laufzettel“

Für die Strandtage und den Sportsclinic-Day hatten wir schon die Wochen zuvor alles geplant: Die Absprache mit dem Principal und den Lehrern, Die Anmeldezettel und Elternbriefe, das Programm, das benötigte Equipment und die Verpflegung. Das war schon einiges an Druck- und Bastelarbeit und bedeutete diverse Fahrten zum Super- oder Baumarkt, aber es hat sich gelohnt. Das Ferienprogramm war ein voller Erfolg, denn nicht nur die Kinder, sondern auch wir hatten jede Menge Spaß. Für die beiden Strandtage hatten wir sogar die Lifeguards von Jeffreys Bay eingeladen, die den Kindern einige wertvolle Tipps hinsichtlich der Sicherheit im Wasser gegeben haben, denn viele der Kinder können nicht richtig schwimmen. Diese „Watersafety-lesson“ beinhaltete sogar eine gestellte Rettungsaktion der Lifeguards, um den Schülern das Thema zu veranschaulichen. Nach dem lehrreichen Teil kam dann der spaßige Teil der Strandtage. Es wurde Beachvolleyball gespielt, Soccer, Rugby, Frisbee, Beachtennis, Badminton und im Meer gebadet. Das war herrlich, mit den Schülern im Meer zu toben und mit ihnen zu „bodysurfen“. Am ersten Beachday haben wir sogar – nur 20 Meter draußen im Meer – einen kleinen Delfinschwarm sehen dürfen. Am Dolfyn Beach in J-Bay. 😀

Das Schuljahr endete dann für uns schon vier Tage vor dem allerletzten Schultag, da unser zweites Seminar für alle Freiwilligen anstand. Deshalb verabschiedeten wir uns leicht verfrüht von unseren Schülern und Lehrern, in die durch das Seminar fast sechswöchigen Sommerferien Südafrikas!

Seminar und Hiking-Trip

überraschend menschenfreundliche Giraffe "Abby"
 menschenfreundliche Giraffe „Abby“

Vor zweieinhalb Wochen, vom 30.09 – 02.10, fand das erste von drei Seminaren für unseren Freiwilligen-Jahrgang hier in Südafrika in der Nähe von East London statt. Dafür fuhren wir bereits einen Tag zuvor nach East London und nisteten uns bei den dortigen Freiwilligen ein. Die einprägsamsten Erlebnisse des Seminars waren eine ausgiebige und äußerst spaßige Schlammschlacht in einem Fluss nach einer Kanu-Tour und das Streicheln einer Giraffe, die frei in dem Areal des Seminarorts herumspazierte :D. Ansonsten waren die Seminartage besonders deswegen cool, da sich – neben diversen Informationen, Programmpunkten, Einzel- und Gruppengesprächen –  alle  Freiwilligen wiedergesehen haben.  Nach dem Seminar, das von unserem südafrikanischen Mentor Brett Armstrong geleitet wurde, sind wir dann noch eine Nacht in East London geblieben, um dort mit insgesamt 14 Freiwilligen in meinen 19. Geburtstag reinzufeiern. Ein auf alle Fälle lustiger Abend. Da wog es nicht so schwer, dass ich fast meinen kompletten Geburtstag im Auto verbrachte, weil wir die Rückreise nach J-Bay antreten mussten. Eine Anekdote am Rande: Da am Abend vor meinem Geburtstag das Licht im Badezimmer der East London Freiwilligen genauso kaputt war wie der Duschschlauch in der Badewanne, durfte ich mir statt einer herkömmlichen Dusche bei Kerzenschein fünf Eimer eiskaltes Wasser, in der Wanne stehend, über den Kopf kippen. Herrlich!

Gut ausgeschlafene Freiwillige, am Morgen meines Geburtstages an der Beachfront in East London
Gut ausgeschlafene Freiwillige, am Morgen meines Geburtstages an der Beachfront in East London
DIe J-Bay Crew: Nils, Alena, Solveig, Niko
Die J-Bay Crew: Nils, Alena, Solveig und ich

Dann begannen unsere ersten richtigen Ferien hier in Südafrika: vom 05.10 – 12.10 hatten wir eine Woche schulfrei, obwohl wir ja vorher schon ein paar Tage wegen des Seminars notgedrungen „geschwänzt“ hatten. Schon lange vor den Ferien hatten wir uns deswegen mit einem Lehrer von Nils und Solveigs Schule in Humansdorp zu einem viertägigen Hiking-Trip im Tsitsikamma Nationalpark verabredet. Dazu sind wir am Mittwoch, den 07.10, in aller Frühe zu fünft mit unseren vollbepackten Backpackern im Auto aufgebrochen und ins eine Stunde entfernte Tsitsikamma-Gebiet gefahren. Ein atemberaubend schönes Gebirge. Besonders beeindruckend war, wie sich während eines Tagestrips (wir sind pro Tag zwischen fünf und sieben Stunden gewandert, insgesamt eine Route von 47 Kilometern, und haben in drei verschiedenen Hütten übernachtet) im Stundentakt die Beschaffenheit und Bedingungen der Wanderroute änderten: So überquerten wir Flüsse und kleine Bäche, erklommen Bergpässe, schlugen uns durchs Unterholz durch oder wanderten durch felsiges und sandiges Gebiet, bevor es wieder in dschungelähnliche Wälder ging. Das Ganze verknüpft mit stundenlangen Auf- und danach wieder Abstiegen. Doch die Natur und Vielfalt der Bäume und Pflanzen entschädigte mehr als genug. Trotzdem war man ganz froh, wenn man die Tageshütte erreicht hatte, die man schon seit zwei Stunden aus der Ferne erblickt hatte. Dann hieß es: Gaskocher auspacken, zwei Minuten Nudeln verschlingen, und sich dann irgendwann dazu durchringen, bei ohnehin kaltem Wind mit der Aussicht auf eine noch kältere Dusche zu den Holzverschlägen zu stapfen, die WCs und Duschkabinen beinhalteten.

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Am ersten Abend haben wir einen „Braai“ gemacht (so nennt man das Grillen hier), überm Lagerfeuer und unterm südafrikanischen Sternenhimmel: Sehr entspannt! Die restlichen Abende haben wir uns beim Kartenspielen von den Anstrengungen des Tages erholt und sind relativ früh ins Bett gegangen, da es am nächsten Tag wieder nach trockenem Frühstück (Müsli aus der Tasse) hieß: Rucksack schultern und los marschieren. Insgesamt war der Tsitsikamma-Hike mit Deon (dem Lehrer, ein erfahrener Hobby-Wanderer und somit unser Guide) ein Erlebnis, an das man sich gerne zurück erinnert. Vor allem wegen der überaus ansehnlichen Natur, die sich uns bot, aber auch wegen „extrem gefährlicher“ (:D) Momente: So bin ich zum Beispiel am zweiten Tag der Wanderung nichtsahnend über eine Puffadder (eine zwar kleine und faule, aber extrem giftige Schlange) gelaufen, ohne diese zu bemerken. Die war dann doch auf einmal nicht mehr ganz so süß wie wir sie zuvor gefunden hatten, nachdem Deon uns freundlicherweise mitgeteilt hatte, dass wenn die Puffadder einen von uns gebissen hätte, „that they would have had to amputate your leg or it would have been too late“. Beruhigend zu wissen, aber zum Glück ist ja nichts passiert.

Am darauffolgenden Montag hat dann wieder der Alltag in der Pellsrus Primary School begonnen. Anders als man das aus seiner eigenen Schulzeit kennt, habe ich mich aber wieder auf die Schule gefreut und auf diverse Soccermatches mit den Kindern. 😀

Hier noch ein paar Eindrücke unseres Hiking-Trips:

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Alles „Chop Chop“ in J-Bay

Außerhalb unserer Zeit in den Schulen (Nils und Solveig arbeiten an einer Schule in Humansdorp, 20 km von Jeffreys Bay entfernt) haben wir schon jede Menge erlebt und unternommen. Bei gutem Wetter ist natürlich der Strand unsere erste Wahl, entweder laufen wir dann einfach die 150 Meter von unserer Wohnung runter zum Meer, oder wir fahren mit unserem etwas betagten Toyota Corolla Autamatik (mit dem es auch schon das ein oder andere Problemchen gab) ein paar Minuten zu einem der Mainbeaches von J-Bay. Ein paar Mal sind wir auch einfach zu den „Supertubes“ gefahren, ein unter Surfern weltberühmter Spot, um besonders waghalsigen Extremsportlern dabei zuzusehen, wie sie eine der am längsten nach rechts brechenden Wellen der Erde entlang surfen. Faszinierend!

…Eine der am längsten nach rechts brechenden Wellen der Welt
Die Supertubes…
Die Supertubes...
…Eine der am längsten nach rechts brechenden Wellen der Welt

Kein Wunder also, dass wir uns mittlerweile selbst im Surfen probiert haben. Unsere erste Surfstunde war auf jeden Fall ein Erlebnis. Mit unserem Surflehrer, einem blonden Mitvierziger mit obligatorischer Surfer-Langhaarfrisur, wateten wir mit Brettern unterm Arm bei strömendem Regen (wir waren die einzigen Menschen im Wasser an diesem Tag, der Strand war auf Grund des Regens und der dunklen Wolkendecke am Himmel wie leergefegt) ins Meer, um dort unsere ersten Schritte als Surfer zu machen. Obwohl wir uns am sogenannten „beginner beach“ in J-Bay befanden, erreichten die Wellen an diesem Tag eine doch ziemlich einschüchternde Höhe (zwei Meter und mehr), sodass man ordentlich Speed bekam, wenn man es schaffte, sich aufzurichten, nachdem einen die gebrochene Welle mit Wucht mitgerissen hatte. Dies gelang sogar mehr als ein paar Mal, sodass sich unser Surflehrer nicht scheute, demjenigen, der die Welle erfolgreich gemeistert hatte, ein „Yeahh! Now we´re cooking with gasssss!“ zuzurufen. Die dunkle Wolkendecke an diesem Nachmittag wurde dann gegen Ende der Stunde noch von Donnergrollen und vereinzelten Blitzen begleitet, doch das schien unseren Lehrer nicht im geringsten zu stören. Unsere verdutzten Blicke konterte er mit einem „yes, yes, yes, it´s absolutely safe to stay in the water“.

Auch außerhalb von Jeffreys Bay haben wir das ein oder andere erlebt. Vom 11 – 13. September sind wir mit einem Mietauto etwa 250 km nördlich an der Küste entlang nach Port Alfred gefahren, wo ebenfalls zwei Freiwillige des ASC Göttingen arbeiten. An jenem Wochenende fand dort das „Boatrace“ statt, veranstaltet von der Universität in Port Alfred, eine Mischung aus Studententreffen, Camping und besagtem Boatrace, welches allerdings etwas spärlich ausfiel. Dennoch war es ein sehr schönes Erlebnis, weil sich dort nahezu alle der 34 ASC-Freiwilligen, die in diesem Jahr im Eastern Cape eingesetzt sind, zum ersten Mal in Südafrika wiedergesehen haben, was dementsprechend gefeiert wurde.

Zeltplatz beim
Der Zeltplatz beim „Boatrace“
in Port Alfred…
…liegt direkt neben dem Fluss auf dem die Wettkämpfe stattfanden
…lag direkt neben dem Fluss auf dem die Wettkämpfe stattfanden
Brunch in Port Elizabeth, direkt an der Beachfront, inklusive fantastischem Blick auf den Indischen Ozean
Brunch in Port Elizabeth, direkt an der Beachfront, fantastischer Blick auf den Indischen Ozean inklusive

Auch in Port Elizabeth (von J-Bay aus die am nächsten gelegene Anlaufstelle was andere Freiwillige betrifft, 80 km entfernt) haben wir schon ein ganzes Wochenende mit den dortigen Freiwilligen – 10 Stück an der Zahl – verbracht. Ein Highlight dieses PE-Trips war der Besuch des Fußballspiels Kaizer Chiefs (Johannesburg) gegen Ajax Capetown (Kapstadt) im WM-Stadion von 2010. Das Spiel war ein Pokalfinale, vielleicht grob vergleichbar mit dem DFB-Pokalfinale in Deutschland. Nachdem wir auf dubiose Wege an unsere Karten gekommen waren, kam dann schon einmal die Hälfte von uns nicht in den Innenraum des Stadions, weil die Karten ungültig waren. Die weniger Glücklichen unter uns haben es aber trotzdem irgendwie ins Stadion geschafft. Das Spiel war ehrlich gesagt ziemlich langweilig, Capetown gewann dank eines Elfmeters mit 1:0, doch allein die Stimmung in dem überraschend gut gefüllten Stadion mitzubekommen war lohnenswert, da die südafrikanischen Fans beider Lager das ganze Spiel über eine dicke Party veranstalteten, sodass es eine Freude war, zuzusehen und die Atmosphäre in sich aufzusaugen.

blablaba
Südafrikanisches Soccermatch…
Das WM-Stadion in Port Elizabeth
Das WM-Stadion in PE
…unter strahlend blauem Himmel
…unter strahlend blauem Himmel

Eine Woche später hat die PE-Gruppe zusammen mit den beiden Port Alfred Jungs dann auch uns besucht und wir sind ins vierzig Minuten entfernte St. Francis Bay zum „Whale Watching“ gefahren. Ein tolles Erlebnis, denn neben vereinzelten Walen in der Ferne hatten wir auch das Glück, mit unserem Boot bis auf 15 Meter an zwei Exemplare heranschippern zu können, um ihnen gut eine halbe Stunde vermutlich bei ihrem Paarungsritual zuzusehen. Faszinierend, welch ruhige und friedliche Tiere diese sanften Riesen doch sind! 😀 Ach ja, einen Delfinschwarm von geschätzt 50 Tieren durften wir dann auch noch begutachten, während dieser neben unserem Boot durchs Wasser glitt.

Delfinschwarm
Schließlich ein riesiger Delfinschwarm
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Erst nur vereinzelte Delfine
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Einer der Wale wenige Meter von unserem Boot entfernt
Der Whale-Watching-Guide erläuterte uns mit einem Schmunzeln, welcher Beschäftigung diese zwei Exemplare gerate nachgehen
Der Whale-Watching-Guide erläuterte uns mit einem Schmunzeln, welcher Beschäftigung diese zwei Exemplare hier gerade nachgehen
Pinguine am
Pinguine am „Great White Shark Point“

Goeie môre, klas!

Das ist Afrikaans, das hier in der Schule hauptsächlich gesprochen wird, und heißt ziemlich überraschend „Guten Morgen, Klasse“.

Schullogo
Pellsrus Primary School, Jeffreys Bay

„Coach, can we play soccerrrrr?! Please!“

Gefühlt jede Sportsunde (PT) an der „Pellsrus Primary School“ beginnt mit dieser Frage, und mit durchschnittlich 35 Kindern/Jugendlichen, die einem mit sehnsuchtsvollen Blick zu verstehen geben, dass der deutsche Freiwillige diese als Frage getarnte Aufforderung doch bitte mit einem „Yes, of course“ beantworten möge. Was der Sportlehrplan allerdings nicht immer erlaubt, deswegen wird der Hoffnung der Kinder auf ein 40-minütiges Fußballspiel (so lange dauern hier für gewöhnlich die Stunden) mit 15-minütiger Verlängerung (ist ja schließlich egal, wenn dann schon die nächste Unterrichtstunde angefangen hat :D) meistens leider umgehend durch ein „maybe at the end of the period“ ein Dämpfer verpasst…

Die Pellsrus Primary School
Sicht auf die Schule vom Sportplatz aus

Seit meine Projektpartnerin Alena und ich am Montag, den 17.08, in unserer Schule und bei unserem Principal Mr. De Vries vorgestellt wurden, sind einige Wochen vergangen und es ist viel passiert. Ich habe mich eingelebt, sowohl in Jeffreys Bay, als auch in der Schule. Dennoch ist noch vieles ungewohnt, wie zum Beispiel die Tatsache, dass mein Stundenplan und die jeweilige Raumsuche mich jede Woche erneut vor so manches Rätsel stellt. Aber schließlich findet man doch immer seine Klasse, manchmal allerdings auch da, wo man sie überhaupt nicht gesucht oder vermutet hat. Wenn man es dann noch schafft, den jeweiligen Lehrer seiner Klasse zu überzeugen, dass es bei strahlendem Sonnenschein und gefühlten 17° C nicht „too windy and too cold for PT“ ist, steht dem Sportunterricht nichts mehr im Wege und die gesamte Klasse darf, aufgestellt in Reih und Glied, im Gänsemarsch und unter Aufsicht des Lehrers zu einem der Netball-Plätze oder auch dem großen Soccer- und Rugbyfeld auf der anderen Straßenseite traben, möglichst geräuschlos, was in den seltensten Fällen klappt. Manchmal kommen dann die Lehrer mit und assistieren mir in der Stunde, andere Lehrer widmen sich in der Zwischenzeit anderem oder sind vielleicht einfach mal froh, die energiegeladene Horde von Kindern für kurze Zeit abgeben zu können.

„endless chair“

Bei mir sind dies Grade 4 bis Grade 7, während Alena die Jüngeren, Grade 1 bis Grade 3, unterrichtet (insgesamt gibt es hier 1200 Schüler). Unsere beiden Stundenpläne erlauben es uns aber auch, viele Stunden zu zweit durchzuführen, welche dann oftmals doch ein bisschen organisierter und strukturierter ablaufen als die Stunden, die man alleine hat. Was der Tatsache geschuldet ist, dass es eine echte Herausforderung ist, auf sich alleine gestellt an die 35 Kinder im Teenageralter unter Kontrolle zu bringen. Folglich lernt man es manchmal nach minutenlanger Aufforderung zu akzeptieren, dass sich eine Hand voll Schüler lieber eine schöne Zeit mit ihren unzähligen Murmeln, die sie aus diversen Jackentaschen hervorzaubern, macht, als einem zuzuhören. Doch wenn man es dann irgendwann doch geschafft hat, den jüngeren Schülern zu erklären, dass ein Kreis keine Ecken hat, und die Schüler sich hintereinander statt nebeneinander aufstellen sollen, machen die Sportstunden echt riesigen Spaß. Vor allem weil es schön mit anzusehen ist, wenn die Kinder an einer Übung oder einem Spiel besondere Freude entwickeln.

Soccer- und Rugbyfeld
Soccer- und Rugbyfeld
Netballplatz
Rückseite der Schule mit Netballplatz
Verwildertes Feld auf der Rückseite der Schule
Verwildertes Feld auf der Rückseite der Schule
So ist´s gut - der Ball klebt am Fuß
So muss es sein – der Ball klebt am Fuß!
Haltung bitte!
Haltung bitte!

Oftmals sind die Stunden dann aber viel zu schnell vorbei, denn gerade wenn man noch ein schönes Abschlussspielchen parat hat, ertönt die Sirene zur Pause. Die Pausen sind übrigens immer ein echt schönes Erlebnis, wenn Alena und ich uns auf den Pausenhof setzen und sofort unzählige Kinder aus den jüngeren Klassen angerannt kommen und sich um die besten Plätze hinter unserem Rücken streiten, um uns eine meistens mehr und selten auch weniger zärtliche Kopfmassage zu verpassen.

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Alena und ich beim Fototermin in der Pause 😀

So ungefähr kann man meinen Alltag hier an der Pellsrus Primary School beschreiben. Es wird natürlich viel mit den Kindern herumgealbert, ob in den Stunden, in den Pausen oder auch nach der Schule. Wenn schlechtes Wetter ist, fallen die PT-Stunden leider aus, es sei denn man bleibt in der jeweiligen Klasse und spielt kleine Spielchen mit den jüngeren Schülern oder gibt den etwas Älteren etwas Deutschunterricht. Vieles ist natürlich noch neu für mich, aber trotzdem fühle ich mich bereits heimisch und es gibt schon jede Menge Kinder, die man ins Herz geschlossen hat und die sich immer wahnsinnig freuen, Alena und mich zu sehen. Auch zu manchen Lehrern habe ich bereits eine ziemlich gute Beziehung (von einigen sind wir schon zum Essen eingeladen worden), die meisten sind froh über weitere helfende Hände und unterstützen einen so gut es geht im Unterricht.

Außerhalb des Sportunterrichts habe ich bereits ein Tischtennisprojekt an der Schule gestartet, das jeden Donnerstag nach der Schule in einem der Klassenräume stattfindet. Auf einer richtigen Tischtennisplatte – noch ohne Netz (welches ich wahrscheinlich mit Hilfe der Spenden finanzieren werde). Außerdem trainiere ich jeden Montag und Dienstag nach der Schule das Boys Soccer Team der Schule, manchmal finden mittwochs Spiele gegen andere Schulen statt. Vor einigen Wochen hatten wir ein Turnier in Hankey (einem Ort 30 Minuten von J-Bay entfernt), die Resultate meines Teams ließen allerdings etwas zu Wünschen übrig. An der Spielweise meines Teams lässt sich zumindest noch ein bisschen feilen, auch wenn erwähnt werden muss, dass meine Mannschaft im Durchschnitt immer ein bis zwei Jahre jünger war als der jeweilige Gegner :D.

Mein soccer team mit breitem Sieger-Lächeln nach 1 Punkt aus 2 Spielen :D
Mein soccerteam mit breitem Sieger-Lächeln nach einem Punkt aus zwei Spielen 😀
Rückfahrt vom Fußballturnier
Rückfahrt vom Fußballturnier in Hankey

Anfang September war übrigens Frühlingsanfang hier in Südafrika, das wurde auch in unserer Schule gebührend mit dem „Lente (spring) Festival“ gefeiert: Eröffnet wurde das Fest am dritten September mit einer Mode- und Tanzschow der Schüler, bei der Mr. und Mrs. Spring gekürt wurden. Einen Tag später war ein Tanzabend für alle Lehrer der Schule, zu dem auch wir eingeladen waren und die beiden anderen Freiwilligen mitbringen durften. Vor allem das leckere Fingerfood und ein lustiger Tanz waren die Highlights des Abends. Komplettiert wurde das Spring Festival dann einen Tag später (Samstag), als ein Sportsday auf unserem Schulsportplatz veranstaltet wurde, zu dem sich Pellsrus und andere Schulen aus der Umgebung im Rugby, Netball, Tauziehen etc. gemessen haben. Eingeleitet wurde dieser Sportsday mit einem Umzug der gegeneinander antretenden Teams durchs an die Schule angrenzende Township, bei dem Marschmusik gespielt wurde und wir das Ende des Zuges bilden durften. Eine sehr schöne Erfahrung!

Vor der Schule versammelten sich die Mannschaften für den Umzug durchs Township
Vor der Schule versammelten sich die Mannschaften für den Umzug durchs Township

Angekommen – „Molo“ Südafrika!

Das heißt „Hallo“ auf Xhosa!

Vor etwas mehr als zehn Wochen hat das Abenteuer begonnen: Für ein Jahr in Südafrika! Für ein Jahr in Jeffreys Bay, einem der angesagtesten Surferorte der Welt. Für ein Jahr Freiwilligendienst an der Pellsrus Primary School. Aber immer der Reihe nach…

Am Freitag, den 14.08.2015, startete die Maschine von South African Airways, die mich und 11 andere „weltwärts“-Freiwillige des ASC Göttingen nach Südafrika bringen sollte, pünktlich um 21:05 Uhr vom Münchner Flughafen aus Richtung Johannesburg. Circa 11 schlaflose Stunden später betrat ich zum ersten Mal in meinem Leben afrikanischen Boden. Nachdem wir auch unseren Anschlussflug nach Port Elizabeth hinter uns gebracht hatten, waren wir alle ziemlich geschafft. Noch konnte keiner so richtig realisieren, dass dieses Land nun für ein Jahr unser neues zu Hause darstellen sollte.

Die erste Nacht verbrachten alle Freiwilligen in Port Elizabeth, bevor es am Sonntag morgen für mich und meine Projekt- und WG-Partner Alena, Solveig und Nils hieß: Auf nach Jeffreys Bay! Nach 50-minütiger Autofahrt mit unseren beiden Mentoren Lars und Brett war es dann schließlich so weit: Schon von Weitem konnte man das mit 27.000 Einwohnern besiedelte Küstenstädtchen sehen, ein unvergesslicher und traumhafter Anblick!

Aussicht von unserem Balkon
Aussicht von unserem Balkon

Zuerst ging es danach für uns zu unserer Wohnung, die in Mitten eines Ferienhauskomplexes liegt, 150 Meter vom Indischen Ozean entfernt. Den Rest des Tages nutzten wir noch, um uns ein wenig in Jeffreys Bay umzusehen, bevor wir abends müde ins Bett fielen, da wir am nächsten Tag auch schon von Brett, unserem südafrikanischen Mentor, in unseren jeweiligen Schulen vorgestellt werden sollten.

Zum Strand sind es nur zwei Minuten zu Fuß
Zum Strand sind es nur zwei Minuten zu Fuß
Gute Nacht!
Gute Nacht!

Noch ein paar Tage…

…dann sitze ich auch schon im Flieger. Voller Vorfreude und natürlich super aufgeregt. Hinter mir liegen spannende Monate, vollgepackt mit Abitur, Urlauben und natürlich der Vorbereitung auf das, was jetzt auf mich zukommt: Ein Jahr Südafrika!

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